Endlich Zahlen! – Getino.de versteigert

Der auch auf unserem Projekt Gratisfalle.de empfohlene Freebie-Anbieter Getino.de (laut Eigenwerbung der am meisten genutzte Freebie-Anbieter in Deutschland) ist heute für knapp 8.000 Euro bei Ebay versteigert worden. Hintergründe dazu und: Warum ich bestimmt nicht mitgeboten hätte …

Zuerst kam im Juli 2007 der Freebie-Anbieter Bonustiger.com unter den Hammer (wir berichteten) und nun hat es einen weiteren Anbieter erwischt: www.Getino.de. Knapp 8.000 Euro hat der ehemalige Besitzer für das Projekt bekommen – inklusive knapp 30.000 Mitgliederdaten (eine beträchtliche Zahl für einen Freebie-Anbieter) und laut Auktionsbeschreibung einem regelmäßigen monatlichen Verdienst von jeweils mindestens 1.600 Euro für den Betreiber. Auch das nicht schlecht.

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Logo von Getino.de

Fakten, Fakten, Fakten.
Warum muss ein Anbieter eigentlich immer erst versteigert werden, bis man solch interessante Zahlen genannt bekommt wie in diesem Fall bei Getino.de? So erfährt man in der Versteigerung viele interessante Details: 20 bis 30 neue Accounts gibts täglich bei dem Freebie-Anbieter und insgesamt 27886 aktive Benutzer. Eine positive Zahl – wer etwas zwischen den Zeilen lesen will, kann aber aus den weiteren Zahlen auch einige (negative) Details herauslesen: Besonders beachtlich ist etwa die Zahl von über 7500 noch nicht aktivierten Accounts. Eine sehr hohe Zahl: Diese Mitglieder haben sich nur angemeldet, aber ihren Account aktiviert. Noch interessanter: Über 4.300 User wurden gekündigt (wegen Missbrauch etc.) oder haben sich wieder abgemeldet. Und am interessantesten: Gerade einmal 2390 User sind aktiv, d.h. sie haben bereits ein Partnerangebot angenommen – über 37.300 User haben sich bisher noch nicht für die Partnerangebote interessiert. Das macht 91% bisher nicht aktive Benutzer.

Freebie-Problem: Inaktive Benutzer
Diese Zahlen sind eindeutig und weisen auf die Probleme vieler (aller?) Freebie-Anbieter hin: Die Leute melden sich an – und dann passiert vielfach nichts mehr. Viele aktivieren nicht einmal mehr ihren Account, vielleicht weil sie erkennen, dass man auch bei Freebie-Anbietern keine Gratisartikel “hinterhergeschmissen” bekommt, sondern dass das Freebie-Prinzip mit beträchtlichem Aufwand für die Mitglieder verbunden ist. Und wer sich aktiviert, interessiert sich nur selten für die Partnerangebote, von denen man mindestens eines wahrnehmen muss, um seiner Gratisprämie ein Stück näher zu kommen. Diese hohe Zahl der Inaktiven überrascht mich bei Getino.de: Schließlich hat der Anbieter im Gegensatz zu vielen Konkurrenten einen ausgezeichneten Ruf im Internet, es gibt zig Beweis-Bilder für versandte Prämien. Zudem war der Anbieter extrem aktiv: Ständig gab es neue Angebote, auf die man per eMail hingewiesen wurde, die Produkte wurden aktualisiert, usw. Anscheinend haben die Anstrengungen des Anbieters wenig gefruchtet.

Oder doch? Schließlich wirbt die Auktion damit, dass man als neuer Eigentümer des Services mit einem monatlichen Gewinn von mind. 1.600 Euro rechnen kann. Belegt wird das mit Auszahlungsnachweisen einschlägiger Partnernetzwerke, über die Getino.de seine Partnerangebote einspeist. Interessante Zahlen. Zurecht frägt da ein potenzieller Bieter bei Ebay nach:

Hallo, warum verkaufen Sie denn überhaupt das Projekt, wenn es quasi ein Selbstläufer ist? Wieviel Zeit muss man selber dafür aufwenden?

Die Antwort kommt prompt:

Aufgrund einer Neugründung mit einem Partner benötige ich noch finanzielle Mittel und möchte mich absolut auf das neue Projekt konzentrieren – daher der Verkauf. Der Support wird derzeit von einem Freelancer übernommen, das sind etwa 1-2 Stunden pro Woche. Ansonsten benötigt man für das Controlling etwa 0,5-1 Stunde täglich.

Aha. Hört sich nach wenig Aufwand an. Schleierhaft bleibt mir trotzdem, warum der Anbieter bei solch geringem Aufwand das Projekt abgeben will – zudem wenn der Aufwand auch bisher schon hauptsächlich von einem Freelancer übernommen wurde.

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Die Kunst der Interpretation
Ich könnte mir gut vorstellen, dass Getino.de eben doch nicht so den großen Erfolg gebracht hat, wie es sollte und stattdessen einen beträchtlichen Aufwand gekostet hat. Nicht eingerechnet ist z.B. der große Aufwand, der sicherlich hinter der Programmierung einer solchen Seite steckt. Und natürlich auch: Der sicherlich anstrengende Kontakt zu Werbekunden, die oft gar nicht so einfach davon zu begeistern sind, bei einem Freebie-Projekt mitzumachen. Und die zunehmene Konkurrenz und das Misstrauen gegenüber Freebie-Anbietern.

Eine verschickte Prämie pro Monat?
Die mitgelieferten Zahlen sprechen Bände: Die Inaktivität der Benutzer ist ernüchternd für den Anbieter – und für die Mitglieder? Die sollten sich v.a. für vier weitere Zahlen interessieren: Der Auktionsveranstalter rechnet vor, dass man als Anbieter des Dienstes im Monat mindestens 1.600 Euro verdient hat seit April 2007. Abgezogen sind bereits die Kosten für die Prämien. Und was sehe ich da? Im Monat hat der Anbieter nie mehr als 1.300 Euro für Prämien bezahlt – ein lächerlicher Betrag, bedeutet er nichts anderes, dass im Monat wohl im Schnitt nie mehr als 2 Prämien verschickt wurden. Und das an knapp 40.000 Mitglieder. Ernüchternd.

Mein Fazit: Endlich hat ein Anbieter aus dem Freebie-Bereich einmal seine Zahlen offen gelegt – für mich sind sie ernüchternd. Umso erstaunlicher ist es, dass jemand immer noch knapp 8.000 Euro für einen solchen Service gezahlt hat. Ein gutes Geschäft für den Ex-Inhaber, der sicher nicht unglücklich ist, seinen Service zu diesem hohen Preis verscherbelt zu haben – Ebay sei Dank. Zum Glück habe ich nicht mitgesteigert – dazu lese ich einfach gerade bei solchen Auktionen zu genau mit und lasse mich nicht vom Titel so sehr beeindrucken, der mir in großen Lettern verspricht: über 1.600 € Gewinn monatl.!

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