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Dez 20

Hypo Real Estate Tagesgeld: Geld anlegen bei der Krisenbank – ein neuer Trend?

geschrieben von Dominik Schuster am 20. Dezember 2011   16:52 UhrKommentare

In Kürze könnte es bei den Banken, die um deutsche Tagesgelder buhlen, einen prominenten Neuzugang geben: Nach Informationen des “SPIEGEL” plant die Hypo Real Estate ein eigenes Tagesgeld Angebot für Privatkunden, um durch die Einlagen sein Stammgeschäft mitzufinanzieren, das vor allem in der Immobilienfinanzierung liegt. Genau damit war die Bank im Zuge der seit 2007 schwelenden Finanzkrise ins Schlingern geraten und konnte nur durch staatliche Milliardenhilfe gerettet werden. Nun könnte gerade diese eigentlich wenig vertrauenserweckende staatliche Stütze die privaten Tagesgeldjäger anlocken. Eine kurze persönliche Einschätzung.

In den letzten Jahren war die Hypo Real Estate nicht gerade positiv aufgefallen: Als im Jahr 2007 die Finanzkrise im Immobiliensektor ausbrach, war die damals noch im DAX notierte “Hypo Real Estate Holding (HRE)” die erste deutsche Bank, die durch Garantiezusagen im dreistelligen Milliardenbereich vor dem Kollaps bewahrt werden musste. Seit 2009 ist die Bank nun ganz verstaatlicht – neuer Eigentümer ist jetzt also die Bundesrepublik Deutschland. Zuletzt in Erscheinung getreten war die HRE vor allem durch einen peinlichen Buchungsfehler in Höhe von satten 55,5-Milliarden-Euro (zum Glück zugunsten des deutschen Steuerzahlers). Alles in allem ein Institut, dem es schwer fällt, Vertrauen zu schenken.


Zeitachse der HRE Krise
Quelle

Auf ins operative Privatkunden-Geschäft?
Bisher musste man das aber auch nicht, zumindest nicht, was die persönlichen Finanzen anbelangt: Die HRE ist nicht im operativen Bankgeschäft tätig, schon gar nicht für Privatkunden. Doch das könnte sich bald ändern. Nach einem Bericht des “SPIEGEL” drängt die Bank anscheinend ins operative Bankengeschäft und möchte bald ein Tagesgeld Angebot für Privatkunden auflegen, um das Stammgeschäft (also: die Kreditfinanzierung) dadurch zu stützen. Offenbar ist es immer noch schwierig für die Bank am institutionellen Geldmarkt an frisches Kapital zu kommen – auf jeden Fall scheint die Finanzierung über die Einlagen von Privatkunden dazu eine gute Ergänzung zu sein.

Allerdings wird es der HRE im hart umkämpften Tagesgeld Markt sicherlich nicht leicht fallen: Bei den Konditionen wird man mit den TOP-Angeboten mithalten müssen, die sich derzeit um die 2,7% Tagesgeld Zinsen p.a. bewegen, und vor allem wird man potenzielle Neukunden davon überzeugen müssen, dass die Einlagen bei der HRE auch sicher sind. Trotz wenig schmeichelhafter Vergangenheit.

Vorbild: IKB Direkt
Dass es klappen kann, hat vor kurzem eine andere Krisenbank gezeigt: Die Deutsche Industriebank IKB. Die traditionsreiche Bank, die sich vor allem auf die langfristige Finanzierung von deutschen Unternehmen konzentriert, war ebenfalls in den Sog der Finanzkrise geraten und 2007 ohne umfangreiche Rettungsmaßnahmen wohl in die Zahlungsunfähigkeit geschlingert. Die Bank schreibt zwar immer noch rote Zahlen (mehr als 300 Mio. Verlust in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2011/2012), ist aber seit März 2011 mit einem eigenen konkurrenzfähigen Tagesgeld Angebot mit dem Namen IKB-Direkt.de für Privatkunden erfolgreich am Markt positioniert. Derzeit 2,1% Tagesgeld Zinsen p.a. erhält der Privatkunde, der mindestens 5.000 Euro bei der IKB anlegt. Das Festgeld Angebot der IKB wurde kürzlich sogar von der Stiftung Finanztest als Testsieger ausgezeichnet.

Krisenbank: Vorteil bei der Einlagensicherung?
Anscheinend kann es also durchaus klappen, wenn eine Krisenbank sich aufmacht, die Gelder von Privatkunden einzusammeln. Dabei kann die staatliche Stütze sogar zum Vorteil bei der Einlagensicherung werden: Indirekt haftet nämlich der deutsche Staat für die Bank – gerade bei der HRE, die ja komplett verstaatlicht ist, also möglicherweise ein Vorteil für die Sparer, wenn es tatsächlich in Kürze ein Hypo Real Estate Tagesgeld Konto geben sollte.

Wirklich entscheidend wird aber sein, wie gut die Konditionen des Tagesgeld Angebots ausfallen werden. Für die HRE wird es eine heikle Angelegenheit werden ein für die Einleger attraktives Tagesgeld Angebot zu schnüren und gleichzeitig die Konkurrenz nicht zu verärgern. Denn: Als die Commerzbank (ebenfalls teilverstaatlicht) kürzlich mit Kampf-Konditionen ebenfalls sein Tagesgeld Konto verstärkt bewarb, hagelte es Kritik. Vor allem der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sah eine “nicht akzeptable Wettbewerbsverzerrung”, wie N-TV berichtete.

Zunächst gilt aber: Abwarten und schauen, was sich entwickelt. Bis dahin kann man sein Tagesgeld ja auch bei anderen Banken mit attraktiven Konditionen parken, z.B. bei der inzwischen auch der deutschen Einlagensicherung angeschlossenen “Bank of Scotland“. Oder man wirft einen Blick in den aktuellen Tagesgeld Vergleich.


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