Nach mehr als 10 Jahren beim S Broker: Würde ich hier wieder ein Depot eröffnen? – Meine Erfahrungen mit ETF Sparplänen, Kundenservice und Co.


Geldanlage digital: ETF Portfolios

Seit mehr als 12 Jahren führt unser Autor ein eigenes Wertpapierdepot beim S Broker, um an der Börse mit Aktien und Fonds zu handeln und für die Altersvorsorge regelmäßig ETFs zu besparen. Im kritischen Erfahrungsbericht zeigt er Vorteile und Nachteile des Brokers basierend auf seinen authentischen Erfahrungen. Dabei wird auch verraten, warum sein eigenes Testurteil zwar nur durchwachsen ausfällt, eine Kündigung seines S Broker Depots aber vorerst auch nicht auf der Tagesordnung steht.

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09.02.2021
S Broker Depot kündigen und zu einem anderen Broker wechseln? Am Ende meines Testberichts stellt sich unser Autor auch selbst dieser Frage, vor allem wegen der im Vergleich (zu) hohen Gebühren beim S Broker. Lesen Sie im Fazit des jetzt umfassend aktualisierten Testberichts, warum unser Autor sich statt einer Kündigung lieber mit einem Zweitdepot bei einem anderen Broker ausgeholfen hat.

Rund 140.000 Kunden vertrauen ihr Vermögen zur Zeit dem S Broker an – insgesamt sechs Milliarden Euro liegen in den Depots des in Wiesbaden ansässigen Brokers. Damit ist er einer der kleineren Online-Broker in Deutschland, für manche Insider sogar ein Krisenfall. Seit April 2016 gehört der S Broker vollständig zur Dekabank.

SBroker Testbericht - InformationenDer S Broker bei Wikipedia

Das umfassende Produktporfolio des S Broker hat mich selbst vor ca. 12 Jahren überzeugt, hier ein Depot kostenlos zu eröffnen. In dieser langen Zeit konnte ich mit jedem Login in mein S Broker Depot viele Erfahrungen mit dem S Broker sammeln und den Broker mit Konkurrenten wie Flatex oder ING vergleichen, bei denen ich weitere Wertpapierdepots für den Handel mit Aktien, Fonds oder Derivaten eröffnet habe. Zur Zeit nutze ich das Depot fast ausschließlich für ETF-Sparpläne sowie Altbestände und Währungskonten in Norwegischer Krone, US-Dollar und Kanadischem Dollar.

Bei Depoteröffnung hatte mich der große Funktionsumfang überzeugt. Besonders innovativ war damals, dass der S Broker einer der ersten Broker mit ETF-Sparplänen am Markt war – ein Angebot, das inzwischen die meisten Broker bieten.

Außerdem ist die Wahl des Brokers natürlich neben dem Funktionsumfang und der Abschätzung der erwartbaren Kosten für Depotführung und Handel eine Vertrauensfrage. Bei der Sicherheit kann der S Broker punkten: Alle Einlagen auf dem Verrechnungskonto oder dem optional verfügbaren Tagesgeldkonto KontoPlus sind über die Einlagensicherung der deutschen Sparkassen unbegrenzt geschützt. Aktien, ETF, Fond sind als Sondervermögen von einer möglichen Insolvenz des Brokers generell nicht betroffen.

Mit einem bestehenden Bankkonto bei einer der angeschlossenen Sparkasse können Anleger übrigens als Verrechnungskonto ihre Bankverbindung bei der Sparkasse verwenden.

1. Der Funktionsumfang beim S Broker: Umfassend und vielseitig

Der Umfang der Leistungen des S Broker ist durchaus beeindruckend: Es werden Einzel- und Gemeinschaftsdepots, Minderjährigendepots, Währungskonten in 13 verschiedenen Währungen angeboten, dazu gibt es auch Zweitdepots und Wertpapierdepots für Investmentclubs. Möglich ist auch die Eröffnung eines Tagesgeldkontos (KontoPlus) mit Sparkassen-Einlagensicherung sowie die Einrichtung eines Wertpapierkredits.

Das Online-Depot des S Broker kann online direkt mit Video-Ident oder Post-Ident eröffnet werden.

Gehandelt werden können nach Depoteröffnung Aktien, Fonds und ETFs, Zertifikate, Optionsscheine, CFDs an allen inländischen Börsen, bei zahlreichen Direkthandelspartnern sowie an 30 ausländischen Börsen in 28 Ländern. Auch ein CFD Depot ist verfügbar.

Zahlreiche Fonds gibt es zudem beim Emittenten mit reduziertem Ausgabenaufschlag. Besonders gefragt sind ETF- und Fondsparpläne: der S Broker hat hier ein breiteres Angebot als viele anderen mir bekannten Broker im deutschen Raum und kann auch mit Neobrokers wie Scalable, Smartbroker oder TradeRepublic mithalten. Das gilt zumindest für die Auswahl an Sparplänen, für die Kosten dagegen nur bedingt.

2. Die Handelsplattform: Zuverlässig, aber dringend sanierungsbedürftig

Insgesamt gute Erfahrungen habe ich auch mit der Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit der Handelsoberfläche des S Broker gemacht: Selbst in Zeiten erhöhter Handelsaktivitäten war die Plattform gut erreichbar. Mit der App habe ich diesbezüglich aber keine Erfahrungen gemacht.

Trotz guter Erreichbarkeit, wenigen Störungen oder Ausfällen war das Layout der Handelsplattform des S Broker aber lange eine Zumutung. Die Benutzeroberfläche wurde seit meiner Depoteröffnung ungefähr 10 Jahre lang nicht aktualisiert – sie wirkt wie in der Zeit stehen geblieben. Die Schriftart war zu klein, die Oberfläche altmodisch und unübersichtlich. Es ist erstaunlich, dass es hier so viele Jahren keine Verbesserungen gab!

Erst im Jahr 2017 wurde ein neues Interface implementiert, das nun nach dem Login eine vereinfachte Steuerung der Handelsaktivitäten ermöglicht. Auch das Anlegen und Ändern von Sparplänen wurde verbessert. Die wichtigsten Neuerungen waren laut Pressemitteilung:

Das Design und die Benutzerführung wurden komplett überarbeitet, um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten – ab sofort auf allen Endgeräten. Unser neuer Handelsbereich ist neben dem PC auch auf Smartphones und Tablets vollständig nutzbar. Direkt in der Ordermaske stellen wir Ihnen jetzt viele Informationen zum gewählten Papier zur Verfügung.

3. Der Kundenservice: Service Hotline nicht immer gut erreichbar, aber kompetent

Wer den Kontakt zum S Broker sucht, kann den Kundenservice auch telefonisch erreichen. Die Nummer der Service Hotline für Kunden ist unter 0611 2044-1911 erreichbar. Meine eigenen Erfahrugnen mit der Hotline sind gemischt: Häufig musste ich lange in der Leitung warten, bis ein Ansprechpartner verfügbar war. Allerdings konnte mir dann kompetent und zielorientiert in meinen Anliegen weitergeholfen werden. Ausführliche und korrekte Informationen habe ich an der Hotline z.B. zum Thema Versteuerung erhalten: Konkret ging es bei einer Anfrage um die Quellensteuer. An der Wartezeit sollte man aber arbeiten: Länger als 10 Minuten sollte man in der Hotline-Warteschleife meiner Einschätzung nach nicht warten müssen.

Übrigens werden – gegen einen Aufschlag bei den Kosten – telefonisch auch Order entgegengenommen. Die Authentifzierung erfolgt wie bei dem Login nur mit Depotnummer und Login-Passwort, eine Telefonbankin-PIN gibt es nicht. Ein Nachteil bei der Sicherheit? Persönlich würde ich mich tatsächlich wohler fühlen, wenn zusätzliche Sicherheitsmerkmale wie eine Telefon-PIN abgefragt würden, bevor ich auf mein Depot zugreifen kann.

4. Gebühren beim S Broker: Unübersichtlich und insgesamt zu teuer!

Trotz erhöhter Einlagen-Sicherheit und Vertrauensvorschuss durch Zugehörigkeit zur Sparkassen-Einlagensicherung sollte man sich vor Depoteröffnung genau die Gebühren durchrechnen, die im Wertpapierdepot anfallen. Im direkten Vergleich mit der Konkurrenz fällt dabei auf, dass der S Broker ein ziemlich teurer Broker ist: Gerade die Orderkosten z.B. für den Kauf von Aktien oder Fonds an der Börse sind hoch. Darüber können auch hohe Neukunden-Prämien und Viel-Trader-Rabatte nicht hinwegtäuschen.

Gebühr für Depotführung: Kein wirklich kostenloses Depot

Die recht hohen Gebühren beim S Broker beginnen schon mit der Gebühr für die Depotführung: Das S Broker Depot ist nicht kostenlos, zumindest nicht bedingungslos wie bei vielen anderen Anbietern üblich.

Bei einem Depotbestand von unter 10.000 Euro zum Quartalsende berechnet der Broker für die Depotführung eine Gebühr in Höhe von 3,99 € je Monat inkl. MwSt.. Das sind fast 50 Euro Depotführungsgebühr Euro pro Jahr! Diese Gebühren werden aber als Orderguthaben für das Folgequartal wieder gutgeschrieben. Außerdem gibt es auch eine Regelung für eine kostenfreie Depotführung. Die aktuelle Regelung sieht vor, dass unter den folgenden Bedingungen keine Depotführungsgebühr zu bezahlen ist: Kostenfreie Depotführung ab einem Trade im Quartal ab 50 Euro (inkl. Sparpläne) oder ab einem Vermögensbestand von mind. 10.000 Euro sowie einem Depotbestand größer als 0 Euro am Quartalsende.

Wirklich kostenlos ist das S Broker Depot also nicht, manche Konkurrenten sind da besser aufgestellt: Das S Broker Depot ist jedenfalls NICHT bedingungslos kostenfrei. Mein Tipp: Wer sein altes Depot kündigen und dann die Wertpapiere zu S Broker übertragen möchte, sollte das gleich nach Depoteröffnung tun. Wird so ein Vermögensbestand von mindestens 10.000 Euro erreicht, entfällt die Gebühr für die Depotführung. Guthaben auf dem Verrechnungskonto wird übrigens auch berücksichtigt. Da es beim S Broker keine negative Verzinsung / Minuszinsen für Bargeldeinlagen gibt, kann man auch Guthaben auf das S Broker Verrechnungskonto überweisen, um der Depotführungsgebühr zu entgehen.

Kosten für den Handel mit Wertpapieren beim S Broker

Auch die Orderprovision, also das Entgelt für jeden Handel, ist beim S Broker im Vergleich mit der Konkurrenz nicht günstig. Mindestens 4,99 Euro + 0,25% vom Orderwert fallen hier an, zuzüglich Handelsplatzentgelt von 0,49 bis 0,99 Euro in Deutschland und Abwicklungsentgelt in Höhe von 0,49 Euro.

Wer über die telefonische Hotline eine Order aufgeben möchte, bezahlt nochmal 9,99 Euro pro Trade extra. Die S Broker Kosten sind mit diesen Gebühren weit entfernt etwa von Flatex oder Smartbroker, die im Vergleich wesentlich günstigere Gebühren für Trades veranschlagen. Beim kühlen Rechner kann der S Broker also mit diesen Konditionen nicht wirklich überzeugen. Einen Rabatt auf die Orderprovision gibt es auch nur für Vieltrader.

Zudem ist das Preismodell – einsehbar im Preis-Leistungsverzeichnis des SBrokers – meiner Meinung nach zu komplex. Bei all den einzeln aufgeführten Gebühren geht leider die Übersicht verloren. Hier sollte dringend nachgebessert werden.

Handeln per App beim SBroker
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Auch unterwegs handeln: S Broker bietet auch eine App – Die Gebühren für Trades sind aber hoch

5. Fond- und ETF-Sparpläne bei S Broker: Günstig sind nur einzelne Emittenten wie Deka, Xtrackers und UBS

Der S Broker bietet eine große Anzahl an ETF- und Fondssparplänen an (mehr als 500!), etwa zum Aufbau einer Altersvorsorge mit ETFs. Auch Sparpläne auf Aktien sind zu finden. Die Auswahl ist groß, allerdings sind die Kosten auch hier teilweise zu hoch: So wird für die Ausführung von ETF-Sparplänen z.B. eine prozentuale Gebühr von 2,50% bezogen auf die Sparrate berechnet. Gerade bei hohen Sparraten sind diese Kosten zu hoch! Zum Vergleich: Flatex bietet viele ETF-Sparpläne als Aktion gebührenfrei an. ETFs, die nicht unter diese Aktion fallen, können aber immer noch vergleichsweise günstig mit 0,90 Euro pauschal bespart werden. Das heißt konkret bei einer Sparrate von z.B. 200 Euro: Bei Flatex bezahle ich hier für die Ausführung 0,90 Euro an Gebühren; beim S Broker sind es dagegen satte 2,50 Euro. Gerade bei lang laufenden Sparplänen schlagen diese Mehrkosten deutlich auf die Rendite durch.

Trotzdem habe ich in meinem eigenen S Broker Wertpapierdepot mehrere ETF-Sparpläne angelegt, z.B. auf den in den letzten Jahren stark performenden Deka STOXX Europe Strong Growth 20 UCITS ETF. Wie passt das zusammen, ist das nicht zu teuer? In diesem Fall: Nein. Denn ich bespare beim S Broker ausschließlich sog. Aktions-ETFs – und das teilweise schon seit mehreren Jahren. Für die ETFs aus dem Aktionsangebot entfällt die Gebühr für den ETF-Sparplan bis zu einer Sparrate von 500 Euro. Aktuell sind für ETFs dieser Emittenten kostenfrei Sparpläne beim S Broker verfügbar (Stand: Februar 2021): Deka-ETFs, DWS / Xtrackers ETFs und UBS-ETFs. Aber auch hier sollte man genau hinsehen: Es sind zwar ALLE Deka-ETFs gebührenfrei zu besparen; bei den Emittenten Xtrackers und UBS steht aber nur eine Auswahl aus dem ETF-Angebot für kostenlose ETF-Sparpläne zur Verfügung!

Beachten sollte man auch, dass die Aktionen jederzeit beendet oder verändert werden können. So hat der S Broker etwa zum 01.01.2020 die Aktion mit den comstage ETF-Sparplänen beendet: Jetzt wird hier für jede Ausführung eine Ordergebühr fällig. Ein Nachteil ist auch, dass die Sparrate mindestens 50 Euro beträgt – bei anderen Brokern ist auch eine niedrigere Sparrate möglich. Die Rate für den ETF Sparplan wird in einem frei bestimmbaren Intervall entweder vom Verrechnungskonto oder vom Referenzkonto abgebucht.

6. Mein Fazit zu S Broker: Wer Sicherheit und Zuverlässigkeit sucht, ist hier richtig – Niedrige Gebühren findet man aber anderswo

Mein Testurteil zum S Broker, basierend auf mehr als 10 Jahren eigenen Erfahrungen, fällt gemischt aus. Die Gebühren für Einzeltrades sind aus meiner Sicht beim S Broker insgesamt zu hoch, und die Kostenstruktur ist zu unübersichtlich. Attraktiv sind aber die aktionsbedingt gebührenfreien ETF-Sparpläne: Wer regelmäßig Geld in ETFs anlegen möchte, kann hier aktuell ohne Gebühren in eine Vielzahl von ETFs von Deka, UBS und Xtrackers/DWS zwischen 50 Euro und 500 Euro pro Intervall anlegen. Wer aber häufiger selber mit Aktien, Fonds, ETFs handeln möchte, geht meiner Meinung nach lieber zur Konkurrenz – etwa zu Flatex oder Smartbroker. Die erheblichen Unterschiede bei den Gebühren zeigt auch der folgende aktuelle Vergleich.

“Werde ich selbst bei S Broker bleiben oder soll ich mein Depot kündigen?” – Diese Frage habe ich mir auch immer wieder gestellt. Eine Übertragung von Wertpapieren ist aber immer auch mit Aufwand verbunden, außerdem bin ich zumindest mit den ETF-Sparplänen zufrieden. Ich werde deshalb mein S Broker Depot nicht kündigen, habe mir aber für regelmäßige Trades ein Zweitdepot bei einem anderen Broker geholt. Für meine Altersvorsorge bespare ich auch weiter ETFs beim S Broker.

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