Tagesgeld: Postbank Gewinn-Sparen


Die aktuellen marktüblichen Zinsen auf Tages- und Festgeld sind beim besten Willen nicht berauschend: Gerade einmal 3,3% gibt es beim Spitzenreiter „Bank of Scotland“ (zum Thema der Einlagensicherheit der Bank hier) – und diesen hohen Zins nur mit ausländischer Einlagensicherung. Solange die deutsche und europäische Wirtschaft noch in der Rezession steckt, werden diese Zinsen wohl auch so schnell nicht mehr steigen.

Um so erstaunlicher ist es, wie die Postbank ein Sonderprodukt nach dem anderen auf den Markt bringt. Diese werden mit auf den ersten Blick sehr guten Prozentsätzen verzinst. Doch was steckt hinter dem aktuellen Angebot von 3,60 % Zins? Unser Testbericht zeigt, warum der schlaue Anleger hier genau hinschauen sollte …

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 Postbank Gewinn-Sparen! Das hört sich nach einer interessanten Kombination aus Gewinnchance und gutem Zins aufs Ersparte an. Aber leider nur auf den ersten Blick. Wer genauer hinschaut, findet wenig Interessantes an dem Produkt. Zumindest aus meiner Sicht.

Was steckt hinter dem Postbank Gewinn-Sparen?
Das Produkt ist auf einem traditionellen Sparbuch mit 3-monatiger Kündigungsfrist aufgebaut. Somit sind – wie bei Sparbüchern – auch Abhebungen von bis zu 2.000,00 Euro pro Kalendermonat kostenfrei möglich. Wer mehr abheben möchte, muss das Sparbuch drei Monate vorher kündigen oder den bereits gezahlten Zins anteilig zurück zahlen. Tagesgeld ist auch in diesem Punkt wesentlich flexibler.

Einzahlungen sind in den 850 Finanzcentern der Postbank und per Überweisung möglich. Auszahlungen werden per Gewinn Spar-Card an den Bankautomaten der Postbank getätigt. 10 Abhebungen sind pro Jahr im Ausland kostenfrei möglich – eine Option, die man sich zugunsten eines besseren Zinses aus meiner Sicht auch hätte sparen können.


Nun kommen wir zum wichtigsten und kompliziertesten Teil des Postbank Gewinn-Sparens: Die Zinszahlungen! Diese setzen sich aus 2 „Teilzinsen“ zusammen, die so aussehen:

1. Basiszins: Dieser variable, von der Postbank jederzeit an die aktuelle Zinssituation anpassbare Zinssatz (!) ist nach den Anlagebeträgen gestaffelt: Bis 5.000 Euro gibts 2,00 %, ab 5.000 Euro 2,25 %, ab 15.000 Euro 2,50 %, ab 25.000 Euro 2,75 % und ab 50.000 Euro 3,00 %. Der beworbene Zinssatz ist also daran gekoppelt, dass ich mindestens 50.000 Euro anlege UND zusätzlich Glück mit dem Gewinn-Bonus habe (siehe 2.). Da ist mir doch ein fester Zinssatz wie beim Wüstenrot Tagesgeld (derzeit: 2,22% + 25 Euro Bonus als Neukunde) lieber.

2. Gewinn-Bonus: Dieser Zins ist an ein fiktives Aktion-Mensch-Los gekoppelt. Der tatsächlich gewährte Zins ist abhängig von den Endziffern der Aktion-Mensch-Ziehungen. Gültig sind die beiden Endziffern der Gewinnzahlen bei der 3. Geldziehung im Monat (1. Rang). Anhand dieser Endziffer ist die Zinsstaffel für den Gewinn-Bonus aufgebaut und wie folgt gestaffelt: 00 – 20 = 0,10 %; 21 – 40 = 0,15 %; 41 – 60 = 0,20 %; 61 – 80 = 0,25 %; 81 – 99 = 0,60 %. Meiner Meinung nach ist dieser Gewinn-Bonus zwar eine nette Idee – mehr aber auch nicht. Rechnen tut sich der Zusatzzins nicht wirklich.

Sowohl der Basiszins, als auch der Gewinn-Bonus werden dem Kunden zum Jahresende auf seinem Postbank Gewinn-Sparkonto gutgeschrieben.

Ein Rechenbeispiel
Anhand eines Beispiels wird das unübersichtliche und komplizierte Angebot der Postbank etwas leichter verständlich. Ausgangssituation ist ein Geldbetrag von 10.000,00€, der in das Postbank Gewinn-Sparen investiert wird. Bei diesem Betrag bekommt der Kunden einen Basiszinssatz von 2,25 % p.a. Der Gewinnbonus wird jeden Monat neu ausgelost und rückwirkend gezahlt. Dadurch kann diese Rendite im vorhinein nicht berechnet werden. Es ist aber davon auszugehen, dass es nicht passieren wird, dass 12mal am Stück eine Endziffer gezogen wird, die dem Kunden die höchste Gewinnstufe sichert.

Es ist also wirklich unwahrscheinlich, dass ein Kunde beim Postbank Gewinn-Sparen (auch bei einem Anlagebetrag von über 50.000,00 €) den beworbenen Zins von 3,60 % p.a. bekommt.


Fazit: Dass Banken mit Angeboten für ihre Produkte werben ist klar. Das dies auch mit den besten Zinsen gemacht wird ist ebenfalls klar. ABER bei der Postbank wird ein Zinssatz beworben, den man nur mit soviel Glück erzielen kann, dass dies schon wieder sehr unwahrscheinlich ist. Dies ist meiner Meinung nach unseriös und gibt uns einen kleinen Einblick in die Geschäftsstrategie der Postbank: Verkaufen mit allen Mitteln!

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2 Kommentare zu “Tagesgeld: Postbank Gewinn-Sparen

  • Habe vor 3 Monaten mein Postbank-Sparen gekündigt und wollte mir das Geld auf mein comdirect Konto zurücküberweisen lassen.

    Der gute Mann am Postbankschalter in Hamburg sagte mir allen ernstes, dass wäre sehr teuer und würde 80 Euro kosten!!!!!!

    80 Euro oder in bar in drei Tagen mitnehmen…

    80 Euro ist absoluter Wucher. Habe mich entsprechend aufgregt und dacht es wäre ein Scherz. War es aber nicht…

    Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

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  • Danke für den aufschlussreichen Testbericht. Ich war bei 3,6 Prozent schon etwas hellhörig geworden, aber den Zinssatz an den Zufall zu binden ist fast ein Witz.Ich bleibe lieber bei der Bank of Scotland. Die senkt zwar den Zins auf 3,0 Prozent aber wenigstens kommt dieser Zins ohne Staffelung und Glück aus.

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