Girokonto: Noabank soziale Bank


Die erste Bank, die ihren Kunden versprach, mit dem angelegten Geld nur nachhaltig zu wirtschaften und ihnen ermöglichte, selbst zu entscheiden, in welche Projekte das Geld fließen soll, ist die GLS-Bank. Seit deren Gründung 1974 gesellten sich weitere Banken auf die „gute Seite beim Bankgeschäft“, wie die Ethikbank oder die Umweltbank. Gerade in der Krise brachten massenhaft Kunden ihr Geld zu den gut wirtschaftenden und zugleich ethisch wertvollen Banken – wohl hauptsächlich, um sich vor Spekulationen anderer Banken zu schützen. Vor sieben Monaten entdeckte eine weitere Bank den Kundenstamm, die Noa Bank bietet seitdem recht gute Zinskonditionen bei einer nachhaltigen Anlage. Doch jetzt gibt es ein Problem: Die Bank nimmt keine neuen Gelder mehr an und senkt auch noch die Zinssätze für bestehende Guthaben drastisch. Die Community bebt.

Update: Noabank.de ist inzwischen nicht mehr verfügbar. Alternativen dazu gibt es auf www.sozialebanken.de.

Die Noa-Bank und ihre Prinzipien
Ich selbst bin ein bodenständiger Finanzakteur, möchte weder spekulieren noch unglaubliche Zinsen für mein Geld. Neben meinem Konto bei der Stadtsparkasse meines Vertrauens, bin ich aber auf der Suche nach einer Bank zur Geldanlage – bei der ich nicht nur genau weiß, was mit meinem Geld passiert, sondern auch mitentscheiden kann, wo mein Erspartes investiert werden soll. Social Banking ist damit genau das Richtige für mich.

Auf der Suche nach einem solchen Angebot stieß ich auf die Internetseite der Noa-Bank. Dort stehe der Sinn der Anlage im Vordergrund, heißt es in großen Lettern. Das Prinzip ist schnell erklärt: Ich habe die Wahl zwischen vier Themenbereichen, in denen ich mein Geld anlgegen kann. Diese sind Region (zur Förderung von Arbeitsplätzen in der Region), der Planet (Einlagen in erneurbare Enegrie und Naturschutz), Leben (Investieren in die Gesundheit) und Kultur (zur Unterstützung von Künstlern und kulturellen Aktivitäten).

Zu viele Anleger bei der NOA-Bank?
Das Anlege-Angebot der NOA-Bank sieht transparent aus. Ich kann mein Geld in einem der vier Themenfelder anlegen. Will ich in zwei Themenfelder investieren, muss ich allerdings zwei Verträge abschließen, erklärte mir die Dame am kostenlosen Service-Telefon. Aktuell sei das aber nicht möglich, weil die NOA-Bank kein Geld mehr von Kunden annehme. Ab wann das wieder möglich sein werde, konnte mir kein Ansprechpartner bei der NOA-Bank sagen.

Nachdem die NOA-Bank bereits im Frühjahr dieses Jahres negative Schlagzeilen im Spiegel gemacht hat, analysierte nun der Tagesspiegel die aktuelle für eine Bank doch recht ungewohnte Situation. Dort heißt es: „Schon im Mai stoppte sie [die NOA-Bank] den Verkauf von neuen Festgeldkonten. Vor ein paar Tagen teilte sie ihren Bestandskunden per E-Mail mit, dass sie auch keine Tagesgelder mehr einzahlen können. Man wolle ‚die Diskrepanz zwischen Einlagen und vergebenen Krediten nicht zu groß werden lassen‘, lautet die Begründung. Im Klartext heißt das, dass die Bank mehr Geld einnimmt, als sie ausleihen kann.“

Gute Zinsen – und die Sicherheit?
Auf Tagesgeld bis zu einer bestimmten maximalen Einlagehöhe gab es bis zum Einzahlungs-Stopp stolze 2,2 % Zinsen/p.a. auf Guthaben bis 500.000 Euro, auf Festgeld sogar bis zu 3,5%/p.a. Die Konditionen für Anleger lesen sich gut, sowohl auf ökonomischer als auch auf ethischer Seite. Hier soll das Geld schließlich nicht nur für die eigene Tasche arbeiten, sondern auch für die Gemeinschaft.

Ein erstes Problem betrifft die Einlagensicherung: Zwar wirbt die NOA-Bank damit, eine deutsche Bank zu sein und deswegen dem deutschen Sicherungsverfahren zu unterliegen – was soweit auch stimmt (hier die Erklärung der NOA-Bank: http://www.noabank.de/die-noa-bank/sicherheit-und-garantie) Aber der staatliche Sicherungsfonds garantiert nur Einlagen bis zu 50.000€. Wer mehr Geld angelegt hat oder will, sollte darauf achten, dass die Bank auch im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken (hier eine Liste der teilnehmenden Banken im pdf-Format) mit dabei ist. Das ist die Noa-Bank nicht (wie auch die übrigen von mir erwähnten nachhaltigen Banken, wie die Ethikbank, GLS, Umweltbank).

Das Problem: Mehr Anleger als Kreditnehmer
Das heißt aber nicht, dass man umgehend sein Geld von der NOA-Bank abziehen sollte. Denn es ist sicher, dass die Bank nicht vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Vielmehr sieht es genau anders herum aus: Die Bank hat, wie schon gesagt, weit mehr Anleger und Anlagen als Kreditnehmer und vergebene Kredite. Das ist ein bekanntes Problem bei Social Banking, vor allem weil seit der Bankenkrise immer mehr Kunden genau darauf achten, wie ihr Geld angelegt werden soll und zu ihnen wechseln.

In nur sieben Monaten hat die NOA-Bank ca. 15.000 Kunden geworben. Ein starker Schnitt. Zum Vergleich: Mit 8.000 Kunden ist die Ethikbank die kleinste unter den Spezialisten. Die GLS-Bank zählt 66.000 Kunden, die an der Börse notierte Umweltbank 74.000 Kunden. Dem Tagesspiegel zufolge haben die 15.000 Kunden bei der NOA-Bank 290 Millionen Euro angelegt. „Das Problem: Die Bank wird das Geld nicht los. Erst 61 Millionen Euro hat sie an Unternehmen verliehen, davon 26 Millionen davon an eine eigene Tochterfirma, die Noa Factoring AG.“ Aber wenn das Geld nicht arbeitet, kann auch kein guter Zins bezahlt werden.

Die Community bebt
In der Community der Noa Bank kann man aus vielen Kommentaren herauslesen, dass die Kunden der Bank ganz und gar nicht zufrieden sind. Vor allem auch die kurzfristige Ankündigung zuerst des Einzahlungs-Stopps am 24. Juni 2010 und dann auch noch die kurzfristige Tagesgeld Zinsen Senkung am 12. Juli 2010, haben für Unmut gesorgt. Viele wollen nun ihr Geld auch zu anderen Banken umziehen.

Alternativen zur Noa Bank
Generell ist mir die GLS-Bank die liebste unter den vier alternativen und nachhaltig wirtschaftenden Banken. Dort gibt’s nicht nur einer Unternehmensphilosophie, sondern eine Weltanschauung, gepaart mit einem gesunden Menschenverstand ohne Werbezinsen: So liegen die Zinsen beim Tagesgeldkonto bei nur 1%/p.a. (ab 10 000€), beim Festgeld maximal bei 1,1%./p.a. (ab 50 000â Euro) und beim Sparbrief ab 1 000 Euro je nach Laufzeit zwischen 1,7% und 3,5%/p.a. Aber dafür weiß ich, dass mein Geld breit gestreut wird und nicht zu einem Großteil in ein eigenes Unternehmen fließt. Denn die Verknüpfung der NOA Factoring AG mit der NOA Bank macht laut der zitierten Fachpresse (Spiegel, Tagesspiegel) keinen sonderlich vertrauenswürdigen Eindruck. Natürlich ist vor allem der Spiegel-Artikel etwas harsch formuliert, was dieser Artikel auf Carta.info reflektiert.

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2 Kommentare zu “Girokonto: Noabank soziale Bank

  • Interessant ist, dass laut aktueller „Finanztest“ 117 Kunden mehr als 50.000 Euro bei der noa bank angelegt hatten und nun wohl einen Teil dieses Geldes abschreiben dürfen, da die Einlagen bei der noa bank ja nur über die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 50.000 Euro abgesichert waren.

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  • Hi,

    eine kleine Ergänzung/Konkretisierung zum Thema „Sicherheit“…;)

    Ich bin Kunde der GLS Bank und möchte gerne darauf verweisen, dass dort alle Einlagen in unbegrenzter Höhe zu 100 % sicher sind durch die langjährige Mitgliedschaft der GLS Bank in der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Infos gibt es dazu auch auf der GLS-Homepage….

    Ansonsten ein toller Artikel! 😉
    LG!

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