Depot: Flatex – Erfahrungsbericht Depot-Wechsel


flatex_logo.gif5,90 Euro pro Trade zahlt man beim Online-Broker Flatex (www.flatex.de) im außerbörslichen Handel – und das volumenunabhängig. Das schafft sonst derzeit kein anderer Broker. Günstiger als die anderen – aber dafür zahlt man hier mehr mit einem anderen Gut mehr als bei der Konkurrenz: Mit Nerven. Ein Erfahrungsbericht über einen abenteuerlichen Systemfehler (inzwischen behoben …).

Daran gibt es wenig zu rütteln: Der Online-Broker Flatex.de ist derzeit der wohl günstigste Broker, den es im Internet zu finden gibt. Im Testbericht der Zeitung „Euro am Sonntag“ wurde der Flatex entsprechend prämiert und auch der direkte Preisvergleich spricht eine deutliche Sprache, v.a. wenn man das Preismodell im außerbörslichen Handel betrachtet und mit anderen Brokern vergleicht:

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Ich bin auch seit einiger Zeit Kunde bei dem Broker, weil ich hier fast 50% weniger Gebühren als bei meiner alten Bank zahle. Inzwischen habe ich ein stattliches Depot bei dem Anbieter, zusammengestellt aus Aktien, Fonds und anderen diversen Produkten, die ich mir hier zusammengekauft habe.

Auch mit dem Handel bin ich insgesamt zufrieden: Beim Broker Flatex kann man online über www.flatex.de und per Telefon traden, wobei beim Telefon-Trading wesentlich höhere Gebühren anfallen – was allerdings bei Online-Brokern grundsätzlich Standard ist. Grundsätzlich ist der Handel von Flatex soweit ich das einschätzen kann vollständig automatisiert – kein Wunder, sonst könnte man sich so günstige Ordergebühren bestimmt nicht leisten.

Aktuell gibt es auch für Neukunden, die bis zum 30.09.2017 ein Konto bei Flatex eröffnen und einen Depotübertrag von mindestens 5.000 Euro durchführen oder mindestens diesen Betrag bis 15.10.2017 überweisen, fünf Free-Trades für den außerbörslichen Direkthandel.

Flatex richtet sich damit eher an erfahrene Aktionäre. Inzwischen gibt es zwar auch ein gut funktionierendes Support-Telefon, bei dem ich in mehreren Versuchen immer schnell einen Mitarbeiter am Telefon hatte. Grundsätzlich ist Flatex aber aufs Internet-Traden ausgerichtet.

Und wie steht es mit der Sicherheit? Ich bin mir da nicht ganz sicher. Im Gegensatz zu allen mir bekannten Brokern gibt es bei Flatex keine Liste mit TANs, die ich zum Traden benutzen kann, sondern es gibt nur einen Trading-Code. Ich persönlich hätte mit einer TAN-Liste ein besseres Gefühl – auch wenn Flatex zur zusätzlichen Sicherheit mit einem sog. Referenz-Konto arbeitet.

Zufrieden bis zum November 2007 …
Bisher war ich sehr zufrieden mit Flatex – nun hat sich der Online-Broker allerdings einen schweren Systemfehler bei mir geleistet, der mir doch arg zu denken gibt. Ich habe vor kurzem über Flatex ein Zertifikat von Merrill Lynch gezeichnet (sogar mit Extra-Rabatt beim Ausgabenaufschlag). Schon bei der Zeichnung gab es Probleme: Das System von Flatex meldete mir, dass ich nicht genügend Cash-Bestand auf dem Konto hätte, was aber definitiv nicht zutraf. Ich habe den Support per eMail kontaktiert, der mir auch sehr schnell antwortete, dass es sich um einen Systemfehler handelte, der innerhalb von einer Woche behoben würde. Nach einer Woche gings dann auch (ich finde aber, dass eine Woche ziemlich viel Zeit ist, um einen Systemfehler zu beheben …).

Doch damit fingen die Probleme erst an – und es wurde eine Geschichte von abenteuerlichen Systemfehlern daraus, die ich hier gerne in Bildern dokumentieren will:

1. Der Blick ins Orderbuch: Order gestrichen

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Das Flatex-System teilt mir zu meinem Erstaunen am 09.11. mit, dass mir keine Anteile an dem mir gezeichneten Zertifikat zugeteilt wurden. Ich wundere mich, denke mir aber, dass das ja mal passieren kann und ich eben Pech gehabt habe …

2. Der Blick ins Orderbuch: Order doch durchgeführt

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Zweite Station: Am 12.11. erfahre ich, dass mir jetzt doch das Zertifikat zugeteilt wurde. Aha – ich wundere mich noch mehr, freue mich aber, dass es doch noch geklappt hat.

3. Der erste Blick in die Depotumsätze: 20.000 statt 2.000 Euro Anteile

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Verwirrung stiftet mir ein Blick in meine Flatex-Depotumsätze: Hier sind die Zahlen zum Order völlig falsch. 20 Stück zu 20.200 Euro?? Und dann wieder: 1.010 Euro??

4. Der zweite Blick in die Depotumsätze: Die Korrektur und die richtigen Zahlen

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Am 12.11.2007 hat man auch bei Flatex entdeckt, dass hier irgendwas falsch ist und den richtigen Betrag angegeben, die alte Order storniert und die neue korrekt durchgeführt …

Doch da war es schon zu spät.

5. Der Schock: 20.000 Euro Lastschrifteinzug von Flatex

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Am 12.11.2007 wunderte ich mich dann doch etwas, als ich diesen Lastschrifteinzug auf meinem Girokonto bemerkte. Über 20.000 Euro. Schnell erkannte ich, dass das irgendwie mit www.Flatex.de zusammenhängen musste – obwohl mir bisher nicht bewusst war, dass es hier Lastschrifteinzüge gibt, weil ich mein Cash-Konto dort immer selber aufgeladen hatte bisher.

Ich war verärgert (Überziehungszinsen! Nerven!) und hab die Überweisung sofort zurückgefordert. Und eine Mail an Flatex geschrieben:

Hallo,

ich bin Flatex Kunde (Nr. 12XXXX).

Leider ist Ihnen bei meinem Order Nr. 133XXX ein schwerwiegender Fehler unterlaufen. Statt für – wie von mir eingegeben – etwas über 2.000 Euro haben Sie Anteile im Wert von ca. 20.000 Euro in meinem Account eingegeben. Inzwischen ist der Fehler behoben (Sie können das ja im Account nachvollziehen).

Allerdings hat der Fehler Ihrerseits eine Kettenreaktion ausgelöst: Der Order wurde nicht nur falsch in Ihrem System vermerkt, sondern hat auch einen Lastschrifteinzug von meinem Referenzkonto über -20.630,90 € veranlasst.

Ich habe diese Lastschrift heute von meiner Bank zurückholen lassen.

Allerdings fallen bei dieser Bank hohe Zinsen (ca. 16%) für das Überziehen des Kontos an – und wohl auch bei meinem Cashkonto bei Ihnen.

Bitte überprüfen Sie den Fall genau und erstatten Sie mir anteilig die für mich aufgrund Ihres Fehlers angefallenen Gebühren. Für mich ist das ganze sehr unangenehm – ich wäre auch über einen Kulanzbonus dankbar. So etwas sollte eigentlich einem Broker nicht passieren.

MFG

Dominik Schuster

Man hat mir den Eingang der Mail bestätigt – aber die Daten im Konto bei Flatex sind immer noch falsch, aber jetzt sind da wieder ganz andere Zahlen in meinem Depotbestand:

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Fazit: Da wird einem dann doch anders, wenn mit solchen Summen (20.000 Euro!) solche schwerwiegende Fehler bei www.Flatex.de passieren. Bei meinem alten Broker 1822Direkt war zwar alles teurer, aber dafür ist hier nie so ein Fehler passiert und ich hatte sogar einen persönlichen Ansprechpartner. Ich bin gespannt, wie der Broker reagiert und wann endlich wieder alles passt. Vielleicht bekomme ich die 20.000 Euro ja als Kulanzprämie 🙂

Die Depoteröffnung bei Flatex ist übrigens kostenlos. Sie können unter www.flatex.de den Kontoantrag ausfüllen und dann via PostIdent an Flatex schicken. Innerhalb von wenigen Tagen wurde mein Depot eingerichtet und ich konnte beginnen zu traden.


Update 27.01.2008

Flatex hat die Probleme mit meinem Depot inzwischen alle zu meiner Zufriedenheit behoben – allerdings nicht ohne, dass ich nochmal Kontakt mit dem Support aufnehmen musste. Außerdem hat sich auch jemand aus der Geschäftsleitung telefonisch bei mir gemeldet, wobei es allerdings mehr um diesen Blogeintrag ging als um das hier beschriebene Problem. Kulanzhalber habe ich ein paar Freetrades bekommen, die ich ab Februar einlösen kann. Für mich ist die Sache erledigt – es können schließlich überall mal Fehler passieren. Wichtig ist mir, dass man den Fehler eingesehen hat und sich bei mir ausdrücklich entschuldigt hat. Trotzdem: Ein fader Beigeschmack bleibt natürlich.

Dazu passend:

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7 Kommentare zu “Depot: Flatex – Erfahrungsbericht Depot-Wechsel

  • flatex mag kostengünstig sein – nur : was nichts kostet, taugt auch nichts, wie der Volksmund sagt.
    Das gilt auch hier : flatex funktioniert nur an Tagen, an denen an der Börse nicht allzu viel los ist. Sobald das Ordervolumen ansteigt, versagt flatex seinen Dienst : Die dortigen Computer sind zu schnell überlastet, am Telefon nur ein Automat.
    Wer also mit Zertifikaten pp zu tun hat, sollte lieber zu einem anderen Broker gehen, bei flatex kann er sie – wenn nötig – nicht mehr rechtzeitig abgeben, weil er nicht an sein Depot herankommt. So hier leidvoll erfahren am 15.03.2011.

    Antworten
  • Für mich ist Flatex KEIN seriöser Broker.
    Ich war früher Kunde bei E*Trade Deutschland und wurde im Zuge der Übernahme quasi Zwangskunde.
    Anfangs konnte ich nicht klagen, da alles beim Alten zu bleiben schien, doch Flatex ist eher auf den deutschen Markt zugeschnitten, was mich in meiner Handlungsfreiheit etwas einschränkte.

    Dann begannen binnen eines Jahres die schleichenden Veränderungen, OHNE dass der Kunde zuvor darüber informiert wurde, z.B. tauchten dann plötzlich „Gebühren“ auf, die es bei E*Trade niemals gegeben hatte, und die ich auch von keiner anderen Depotbank/Broker kenne: Eine „Dividendengebühr für ausländische Aktien“ (EuroStoxx-Aktien in Euro!).
    Neuerdings wollen sie ihre Kunden nun offenbar zu einem Abo für irgendwelche Services zwingen, die der Kunde gar nicht braucht und deaktivieren mal eben die Ordermaske solange, bis man einwilligt und abonniert.

    Mein Fazit: Weg von Flatex und hin zu einem seriösen Broker.

    Gruß
    Jürgen

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  • Flatex arbeitet nach meiner Erfahrung leider sehr unzuverlässig : Order an Börsen – in meinem fall Berlin – wurden nur mit Verzögerung weitergegeben; inzwischen sind die Kurse weggelaufen.
    Dann scheint flatex immer wieder Schwierigkeiten mit seiner software zu haben : Am 01.09.08 war mein Konto über eine Stunde lang nicht zugänglich. Erst als die Werte alle unten waren gelnag es, das Konto anzusprechen und zu disponieren. So geht es nicht ! Der Handel von Derivaten jedweder Art bedarf eines jederzeitigen Zuganges (während der üblichen Geschäftszeiten). Hier sollte man sich bei flatex aber zurückhalten ! Günstige Kosten nutzen nichts, wenn dagegen das Risiko steht, nicht an das Konto heranzukommen und deshalb die Werte zu verlieren (knock out).

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  • @Dominik Schuster
    Wie ich unter 1) klar sage, meine ich natürlich nicht CFDs sondern den Leerverkauf von Aktien wie ihn z.B. Cortal Consors, Nordnet oder auch Interactive Brokers anbieten (mit Wertpapierleihe beim „Overnight Short Selling“).

    Zu 3) möchte ich hinzufügen:
    a) Wieso (Semi-)Profis ausschließen?
    b) Wer nicht nur traden will, sondern auch einen optimalen Gewinn erreichen möchte, braucht auch eine professionelle Software.
    c) Ich muss feststellen, dass immer mehr Banken und Finanzdienstleister eine (beschränkte) Software anbieten, mit der man besser als über einen Browser traden kann. Leider erfinden diese Unternehmen das „Rad“ jedes mal aufs neue. Es ist so wie in der Zeit vor Windows (und Linux), als jede Software, die ein GUI realisieren wollte, erst einmal ihre eigenen Vorstellungen einer solchen Schnittstelle umsetzte, um dann zum eigentlichen Zweck des Programms zu kommen. Für die Banken und Finanzdienstleister wäre es besser, eine Trading-API (Application Programming Interface) anzubieten und mit Anbietern von professioneller Software zusammenzuarbeiten, die diese API in deren Programmen nutzen. Interactive Brokers bietet das z.B. an (Aktien-Trading ist aber teurer). Noch besser wäre es, wenn die Banken u. Finanzdiestleister ein Grämium bilden und einen Standard (z.B. API) definieren würden, den diese dann alle anbieten könnten und den alle Anbieter von Trading-Software verwenden könnten.

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  • @Müller
    Wenn Sie mit Leerkäufen CFDs meinen: Die bietet Flatex seit November 2008 an.

    Beim Trading-Tool kann man sicherlich verschiedener Meinung sein. Ich persönlich habe es noch nicht ausprobiert. Das und Ihr Punkt 3 sind sicher eher etwas für Börsenprofis. Wer „einfach so“ günstig mit Aktien, Fonds, Zertifikaten und Co. handeln möchte, ist bei Flatex.de sicherlich gut aufgehoben.

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  • flatex ist zwar ein sehr günstiger Online-Broker, jedoch bitte ich folgende Punkte zu beachten:
    1) flatex bietet keine Möglichkeit für Leerverkäufe von Aktien (laut Auskunft von flatex bisher nicht möglich)
    2) das flatex Trading Tool macht schon bei oberflächlicher Hinsicht keinen guten Eindruck, bietet nicht viele Möglichkeiten und ist unübersichtlich (persönliche Meinung)
    3) es gibt keine Trading-API. Man kann also nicht selber eine Software schreiben, die mehr kann als das Trading Tool von flatex. Man kann auch keine Anbindung an ein professionelles Programm wie z.B. MultiCharts 4.0 von TS Systems entwickeln. Mein Vorschlag: flatex sollte sich mit einem professionellen Anbieter von Trading Software zusammentun und eine Schnittstelle für ein solches Programm realisieren. Das wäre Spitze!

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