Amazon VISA Kreditkarte: Die Vorteile überzeugen mich nicht – trotz Cashback und Startbonus


Kreditkarte im Vergleich - Testbericht

Amazon bietet jetzt in Kooperation mit der Landesbank Berlin auch eine VISA Kreditkarte an, für mich als Prime Kunden sogar dauerhaft ohne Jahresgebühr und mit einem satten Startguthaben obendrauf. Außerdem gibt es auch noch bis zu 3% Cashback für alle Einkäufe bei Amazon. Das klingt nach einem sehr guten Angebot und vielen Vorteilen, gerade für Amazon-Vieleinkäufer. Trotzdem kommt für mich ein Wechsel der Kreditkarte erstmal nicht in Frage. Hier sind die Gründe und meine Alternativen zur VISA von Amazon.

Man muss sich schon genau mit dem Kleingedruckten der kürzlich vorgestellten und jetzt aktiv beworbenen neuen Amazon Kreditkarte befassen, um auch die Nachteile des Angebots herauszufinden. Auf den ersten Blick klingen die Konditionen der VISA Karte nämlich wirklich sehr gut: Im ersten Jahr keine Jahresgebühr, bis zu 70 Startguthaben für Neukunden, bis zu 3% Cashback für Amazon-Einkäufe und 0,5% für sonstige Einkäufe. Als Amazon Prime Kunde würde ich sogar noch mehr profitieren mit sogar 70 Euro Startguthaben, 3% Cashback und dauerhafter Befreiung von der jährlichen Kartengebühr (19,99 Euro).


So sieht sie aus: Die neue Amazon Kreditkarte. Auf Wunsch gibt’s gegen Gebühr auch ein anderes Motiv.

Besonders mit dem attraktiven Cashback hebt sich Amazon von der Konkurrenz ab. Eine dauerhaft gebührenfreie Kreditkarte ist ja an sich nichts besonderes mehr – Barclays hat das mit der VISA-Kreditkarte schon lange im Angebot und andere Banken ebenso. Bis zu 3% Cashback für Einkäufe bei Amazon mit der Kreditkarte sind aber neu und auch für mich als Amazon-Vieleinkäufer durchaus ein Argument, das für die Karte spricht.

Soll ich also von meiner bisherigen Barclaycard VISA Kreditkarte zu Amazon wechseln? Vor einer Entscheidung habe ich die Konditionen der Amazon Kreditkarte doch noch genauer untersucht und vor allem genau das Preis-Leistungsverzeichnis studiert. Prompt fallen mir da zwei mögliche Nachteile der Amazon Kreditkarte auf:

1. Nachteil der Amazon VISA: Üppige Zinssätze und Handlungsbedarf bei der Rückzahlung

Natürlich wollen Amazon und die Landesbank Berlin auch mit der Kreditkarte gutes Geld verdienen. Das dürfte bei dieser Kreditkarte vor allem über die voreingestellten Rückzahlungsbedingungen gelingen. Voreingestellt ist bei dieser Karte eine Rückzahlung der Kreditkartenumsätze in Höhe von 70%. Das bedeutet konkret: Per Lastschrift werden am Ende des Monats nur 70% der über die Kreditkarte getätigten Umsätze abgebucht, 30% werden aber als Kredit weitergeführt. Amazon stellt diese Funktion auf seiner Info-Seite aber sogar als Vorteil dar: „Bequeme Teilzahlung möglich“. Erst im Sternchentext wird die genaue Bedeutung der Teilzahlung deutlich: Die nicht ausgeglichenen 30% müssen zuzüglich üppiger Kreditkartenzinsen zurückgezahlt werden, aktuell steht der veränderliche Sollzinssatz bei 14,04 % p.a. und der effektive Jahreszins bei 14,98 %. Damit liegt Amazon zwar unter den aktuellen Zinssätzen der gebührenfreien Barclaycard VISA, trotzdem sind das hohe Kreditkartenzinsen.

Wer sich diese hohe Belastung mit Kreditkartenzinsen sparen will, hat nur eine Möglichkeit: Über die Hotline bei der Landesbank Berlin anrufen und den Prozentsatz der monatlichen Rückzahlungen von 70% auf 100% hochschrauben. Das ist umständlich und kann natürlich leicht vergessen werden. Kundenfreundlicher wäre es, wenn gleich die Rückzahlungsoption auf 100% eingestellt wäre.

2. Nachteil der Amazon Kreditkarte: Teure Bargeldabhebungen und Vorsicht bei speziellen Umsätzen

Gelegentlich hebe ich mit meiner Barclaycard VISA Kreditkarte auch am Geldautomaten Geld ab – und bezahle dafür keine Gebühren, egal, bei welcher Bank. Das bedeutet eine echte Kostenersparnis, vor allem, da meine Kreditkarte auch seltener Probleme beim Geldabheben macht als die VISA-Kreditkarten der Direktbanken. Bei der Amazon Kreditkarte ist Bargeldabheben dagegen nicht inklusive, sondern ein eigener Kostenfaktor: Hier muss ich jede Bargeldabhebung aus dem Verfügungsrahmen der Kreditkarte in Deutschland mit mind. 7,50 Euro berappen (3% des Betrags). Auch im Ausland fallen 3% Gebühren an, die Mindestgebühr beträgt hier 5 Euro. Das ist teuer. Natürlich ist die Hauptfunktion einer Kreditkarte das bargeldlose Bezahlen. Trotzdem machen ja auch andere Anbieter von Kreditkarten vor, dass die Bargeldverfügung auch gebührenfrei sein kann. Hier sollte Amazon also noch nachbessern.

Mein Tipp für alle, die trotzdem gebührenfrei Geld abheben wollen: Bargeldabhebungen aus dem Guthaben der Kreditkarte sind bei der Amazon Kreditkarte gebührenfrei. Wer also ständig etwas Guthaben auf der Kreditkarte vorhält, kann sich die Gebühren für Bargeldabhebungen auch bei dieser VISA Karte sparen und kostenlos an Geldautomaten Geld abheben.

Barclaycard VISA Kreditkarte: Geld abheben am Geldautomaten
Gebührenfrei Geld abheben am Geldautomaten: Nicht mit der Amazon Kreditkarte!

Ein besonderer Nachteil verbirgt sich auch in einem weiteren Detail des Preis-Leistungsverzeichnisses. Nicht nur Bargeldverfügungen sind nicht gebührenfrei, sondern auch Umsätze für Lotto, Wetten und Casino kostenpflichtig. Wer also z.B. online Lotto spielt oder Wetten mit der Kreditkarte bezahlt, muss dafür Gebühren in Höhe von 3% des Umsatzes zahlen. Gut zu wissen – und eine weitere mögliche Kostenfalle dieser Kreditkarte!

Selbst bei Auslandumsätzen mit der Kreditkarte fallen zusätzlich Gebühren an. Hier sind es 1,75% des Umsatzes. Auch das ist eine Kostenfalle dieser Kreditkarte!

3. Nachteil der Kreditkarte von Amazon: Noch mehr Daten für Amazon!

Die integrierte Cashback-Funktion bei dieser Kreditkarte hat auch einen möglichen Nachteil: Sie generiert für Amazon wertvolle Daten zum Einkaufsverhalten. So kann Amazon eventuell Nutzungsprofile erstellen und die Werbung noch besser personalisieren, wie BusinessInsider dazu einen Experten zitiert. Details zur Datennutzung der Kreditkartenumsätze finden sich aber bei Amazon selber nicht, so bleibt diese Art der Zweitnutzung erstmal nur eine Vermutung. Vor allem wären für Amazon ja nur die Daten aus dem Cashback-System relevant, die außerhalb der Plattform gewonnen werden.

Meine Meinung dazu ist: Man sollte für diese Datenschutz-Thematik auch bei dieser Kreditkarte sensibiliert sein, ein wirklicher Nachteil muss es aber nicht sein. Immerhin sind 2% bzw. 3% (Prime-Kunden) Cashback für Amazon-Einkäufe wirklich attraktiv, das sind immerhin 15 Euro pro 500 Euro Umsatz. Die 0,5% für Einkäufe außerhalb von Amazon lohnen sich auch z.B. beim Tanken. Das bietet aber z.B. auch die gebührenfreie Santander 1plus VISA Kreditkarte. Hier gibt es sogar weltweit 1% Tankrabatt.

Beachten sollte man auch, dass die Cashback-Konditionen jederzeit von Amazon angepasst werden können – das steht eindeutig in den AGB der Kreditkarte unter Punkt 30. Man sollte sich also nicht darauf verlassen, dass es zwangsläufig bei den 3% Cashback für Amazon Einkäufe bleibt. Eventuell werden die Konditionen des Bonusprogramms eine Weile nach Markteinführung auch wieder nach unten angepasst.


Neben diesen möglichen Nachteilen habe ich auch die durch die Amazon Kreditkarte gewonnenen Vorteile mit meiner bisherigen Kreditkarte verglichen. Dabei fällt sofort auf, dass die Amazon Kreditkarte im Punkt „Zusatzleistungen“ leider wenig zu bieten hat. Nur einige Standardvorteile sind natürlich auch hier dabei: Es gibt eine gebührenfreie Partnerkarte, kontaktlos bezahlen ist möglich und 6% Cashback für Urlaubsbuchungen über ein spezielles Online-Reisebüro kann man auch abgreifen. Dafür fehlen hier aber Versicherungen, die bei vielen Kreditkarten mit dabei sind, z.B. eine Auslandskrankenversicherung oder eine Reiserücktrittversicherung. Eine Art „Versicherung“ wird nur unter bestimmten Bedingungen für missbräuchliche Verwendungen der Kreditkarte angeboten. Das ist weniger als bei manch anderen Kreditkarten!

Sehr schätze ich bei meiner bisherigen Krediktarte auch die zweimonatige Zinsfreiheit für Kreditkartenumsätze. Auch diesen Vorteil habe ich bei Amazons Kreditkarte nicht. Stattdessen werden hohe Kreditkartenzinsen sofort nach Rechnungsstellung für 30% der Umsätze berechnet, wenn die Rückzahlung nicht auf 100% manuell eingestellt wird.

Meine Bewertung zur Amazon Kreditkarte: Ich wechsel erstmal nicht!

Auch als Amazon Prime Kunde ist die neue Kreditkarte von Amazon erstmal kein Must-Have für mich. Ich werde meine bisherige Kreditkarte – auch von VISA – nicht wegen der Amazon Kreditkarte kündigen. Daran ändert auch der hohe Neukunden-Bonus in Höhe von 70 Euro nichts. Zwar bekomme ich hier als Prime-Kunde eine dauerhaft gebührenfreie VISA Kreditkarte – das habe ich aber bei meiner bisherigen Kreditkarte von Barclays auch. Attraktiv ist bei der Amazon Kreditkarte allerdings die Cashback-Funktion, besonders auch für Groß- und Vieleinkäufer bei Amazon: Prime-Kunden erhalten derzeit für Amazon-Einkäufe 3% Cashback in Form von Bonuspunkten, für Einkäufe außerhalb von Amazon sind es 0,5%. Wer 500 Euro bei Amazon umsetzt, bekommt also 15 Euro Gutschrift in Form von Bonuspunkten. Wer kein Prime-Abonnement hat, bekommt immerhin noch 2%, allerdings auch ein niedrigeres Startguthaben für die Beantragung der Kreditkarte und zahlt ab dem zweiten Jahr stolze 19,99 Euro Jahresgebühr unabhängig vom Kreditkartenumsatz. Diese starken Unterschiede sollen sicher auch zu einem Neu-Abschluss eines kostenpflichtigen Amazon-Prime-Abonnements für aktuell knapp 70 Euro pro Jahr animieren …

Aktuelle Alternativen zur Amazon Kreditkarte

Mögliche Alternativen zur gebührenfreien Amazon Kreditkarte sind z.B. die bei uns getestete Barclays VISA Kreditkarte (aktuell hier mit 25 Euro Neukunden-Bonus zu haben) und die ICS VISA World Kreditkarte. Vor allem die ICS VISA World Karte bietet für eine gebührenfreie Kreditkarte vergleichsweise niedrige Zinsen und ist dauerhaft ohne Jahresgebühr zu haben. Wer mindestens 3.000 Euro mit einer Kreditkarte im Jahr umsetzen möchte, erhält auch die Barclaycard GOLD VISA Kreditkarte zusammen mit einem umfangreichen Versicherungspaket und weiteren Vorteilen hier gebührenfrei. Bei dieser aus meiner Sicht empfehlenswerten Kreditkarte sind dann auch eine Reiseversicherung und Auslandskrankenversicherung inklusive sowie weitere Vorteile wie gebührenfreie Bargeldverfügungen am Geldautomaten und 5-Sterne-Sicherheit.

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