Sbroker Depot: 10 Jahre Erfahrungen mit dem Online Broker

300 Euro Orderguthaben bietet der Sbroker zur Zeit Neukunden an, die beim zentralen Broker der Sparkassen ein Wertpapierdepot eröffnen. Das ist eine ordentliche Startprämie. Trotzdem sollte man sich die Wahl des Brokers für eigene Aktien- und Fondsgeschäfte gut überlegen. Meine eigenen in über 10 Jahren gesammelten Erfahrungen mit dem Sbroker zeigen: Es gibt bessere Alternativen im Depotvergleich, trotz mancher Vorteile vor allem für ETF-Sparer. Mein Testbericht zeigt, worauf es hier zu achten gilt und wo die Probleme liegen.

Inhaltsverzeichnis des Sbroker Testberichts:
I. Funktionsumfang
II. Handelsplattform
III. Kundenservice beim Sbroker
IV. Sbroker Gebühren
V. Fond- und ETF-Sparpläne
VI. Fazit zu meinen Sbroker Erfahrungen und Depotvergleich

Der Sbroker bei Wikipedia

Rund 130.000 Kunden vertrauen ihr Vermögen zur Zeit dem Sbroker an – insgesamt sechs Milliarden Euro liegen in den Depots des in Wiesbaden ansässigen Brokers. Damit ist der Sbroker einer der kleineren reinen Online-Broker in Deutschland. Seit April 2016 gehört der Sbroker vollständig zur Dekabank.

Das umfassende Produktporfolio des Sbroker hat mich selbst vor ca. 10 Jahren überzeugt, hier ein Depot kostenlos zu eröffnen. In dieser langen Zeit konnte ich sehr viele Erfahrungen mit dem Sbroker sammeln und den Broker mit Konkurrenten wie Flatex oder ING-DiBa vergleichen, bei denen ich weitere Depots eröffnet habe. Zur Zeit nutze ich das Depot fast ausschließlich für ETF-Sparpläne sowie Altbestände und Währungskonten.

Bei Depoteröffnung hatte mich der große Funktionsumfang des Sbroker überzeugt. Besonders innovativ war damals, dass der Sbroker einer der ersten Broker mit ETF-Sparplänen am Markt war – ein Angebot, das inzwischen die meisten Broker bieten.

Außerdem ist die Wahl des Brokers natürlich neben dem Funktionsumfang und der Abschätzung der erwartbaren Kosten für Depotführung und Handel eine Vertrauensfrage. Bei der Sicherheit kann der Sbroker punkten: Alle Einlagen auf dem Verrechnungskonto oder dem optional verfügbaren Tagesgeldkonto KontoPlus sind über die Einlagensicherung der deutschen Sparkassen unbegrenzt geschützt. Aktien, ETF, Fond sind als Sondervermögen von einer möglichen Insolvenz des Brokers generell nicht betroffen.

I. Der Funktionsumfang beim Sbroker: Gut!

Der Umfang der Leistungen des Sbroker ist durchaus beeindruckend: Der Sbroker bietet Einzel- und Gemeinschaftsdepots, Minderjährigendepots, Währungskonten in 13 verschiedenen Währungen an. Möglich ist auch die Eröffnung eines Tagesgeldkontos (KontoPlus) mit Sparkassen-Einlagensicherung sowie die Einrichtung eines Wertpapierkredits zu akzeptablen Konditionen.

Gehandelt werden können Aktien, Fonds und ETFs, Zertifikate, Optionsscheine, CFDs an allen inländischen Börsen, bei zahlreichen Direkthandelspartnern sowie an 30 ausländischen Börsen in 28 Ländern.

Zahlreiche Fonds gibt es zudem beim Emittenten mit reduziertem Ausgabenaufschlag. Besonders gefragt beim Sbroker sind die zahlreichen ETF- und Fondsparpläne – der Sbroker hat hier ein breiteres Angebot als die meisten anderen mir bekannten Broker im deutschen Raum.

Das Online-Depot des Sbroker kann online direkt mit Video-Ident oder Post-Ident eröffnet werden. Derzeit erhalten Neukunden eine hohe Orderprämie.

II. Die Handelsplattform: Zuverlässig, aber dringend sanierungsbedürftig

Insgesamt gute Erfahrungen habe ich auch mit der Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit der Handelsoberfläche des Sbroker gemacht: Selbst in Zeiten erhöhter Handelsaktivitäten war die Plattform des Sbroker insgesamt gut erreichbar – meinen Erfahrungen nach zumindest besser als die des Konkurrenten Flatex.

Trotz guter Erreichbarkeit ist das Layout der Handelsplattform des Sbroker aber eine Zumutung. Die Benutzeroberfläche des Sbroker wurde seit meiner Depoteröffnung vor ca. 10 Jahren nicht aktualisiert – sie wirkt wie in der Zeit stehen geblieben. Die Schriftart ist zu klein, die Oberfläche ist altmodisch und unübersichtlich. Es ist erstaunlich, dass es hier seit so vielen Jahren keine Verbesserungen gab!

Einen guten Einblick in die Oberfläche des Sbroker bietet dieses Video im Sbroker Channel. Auch hier wird allerdings schnell deutlich, dass das Layout dringend überholt werden müsste:

III. Der Kundenservice: Gut erreichbar und kompetent

Positive Erfahrungen habe ich mit dem Kundenservice beim Sbroker gemacht. Der Kundenservice ist über die 0800-Nummer 0800 – 20 80 222 ohne lange Wartezeiten erreichbar. Die Authentifzierung erfolgt mit Depotnummer und Login-Passwort, eine Telefonbankin-PIN gibt es beim Sbroker nicht.

Ausführliche und korrekte Informationen habe ich vom Sbroker Kundenservice z.B. zum Thema Quellensteuer erhalten, das war sehr hilfreich.

Auch Wertpapierübertrage bei einer Depotübertragung wurden beim Sbroker richtig verbucht.

IV. Gebühren beim Sbroker: Insgesamt zu teuer!

Trotz erhöhter Sicherheit und Vertrauensvorschuss durch Zugehörigkeit zur Sparkassen-Einlagensicherung sollte man sich aber genau die Gebühren durchrechnen, die beim Sbroker für das Depot und für den Handel anfallen. Im direkten Vergleich mit der Konkurrenz fällt dabei auf, dass der Sbroker ein eher teurer Broker ist, obwohl gerne mit günstigen Konditionen und hohen Neukundenprämien geworben wird.

Depotführung: Kein kostenloses Depot

Die recht hohen Gebühren beim Sbroker beginnen schon mit der Gebühr für die Depotführung: Das Sbroker Depot ist nicht kostenlos, zumindest nicht bedingungslos wie bei vielen anderen Anbietern üblich.

Bei einem Depotbestand von unter 10.000 Euro zum Quartalsende berechnet der Broker für die Depotführung eine Gebühr in Höhe von 2,95 € je Monat inkl. MwSt., das sind 35,40 Euro pro Jahr. Diese Depotführungsgebühr entfällt nur bei einem Depotbestand von mindestens 10.000 Euro zum Quartalsende oder einer Wertpapiertransaktion inkl. Sparplan-Ausführung im Quartal.

Bedingungslos kostenfrei ist das Sbroker Depot also nicht, manche Konkurrenten sind da günstiger. Die Einschränkung wird auch dadurch nicht vollständig aufgehoben, dass die Depotkosten als Orderguthaben wieder gutgeschrieben werden. Das Sbroker Depot ist nicht bedingungslos kostenfrei.

Kosten für die Order beim Sbroker

Auch die Orderprovision, also das Entgelt für jeden Handel, ist beim Sbroker im Vergleich mit der Konkurrenz nicht günstig. Mindestens 4,99 Euro + 0,25% vom Orderwert fallen hier an, zuzüglich Handelsplatzentgelt von 0,49 bis 0,99 Euro in Deutschland zzgl. Abwicklungsentgelt in Höhe von 0,49 Euro.

Wer per Telefon ordern möchte, bezahlt nochmal 9,99 Euro pro Trade extra. Der Sbroker ist mit diesen Gebühren weit entfernt etwa von Flatex, aber auch oftmals teurer als ING-DiBa oder Comdirect. Beim kühlen Rechner kann der Sbroker also mit diesen Konditionen nicht wirklich überzeugen. Einen Rabatt auf die Orderprovision gibt es nur für Vieltrader.

Zudem ist die Preisstruktur meiner Ansicht nach zu komplex und sollte dringend vereinfacht werden.

V. Fond- und ETF-Sparpläne beim Sbroker: Gut sind nur die Deka- und Comstage-ETFs

Generell zu teuer sind auch die ETF- und Fondsparpläne beim Sbroker sowie die Sparpläne auf Einzelaktien. Während günstige Anbieter wie Flatex nur maximal 0,90 Euro pro Sparrate an Gebühren erheben, sind es beim Sbroker satte 2,50% des Anlagebetrags. Wer also z.B. 100 Euro pro Monat in einen Fond regelmäßig per Sparplan einzahlen möchte, zahlt bei Flatex eine Gebühr in Höhe von 0,90 Euro pro Sparrate, beim Sbroker aber mit 2,50 Euro fast dreimal so viel. Viel zu teuer, aus meiner Sicht!

Überzeugen kann der Sbroker nur mit einem sehr breiten Angebot an besparbaren ETFs und Fonds – wer die Auswahl braucht und nicht so sehr auf die Gebühren achten möchte, ist beim Sbroker richtig.

Kostenfrei Comstage und Deka ETFs besparen

Wer die Kostenseite bei Sparplänen stark im Blick hat, wird beim Sbroker nur bei den ETF-Sparplänen von Comstage und Deka fündig: Die meisten ETFs von Comstage und Deka können gebührenfrei bespart werden.

So ist es z.B. möglich den besonders beliebten Deka ETF Deka DAXplus® Maximum Dividend UCITS ETF kostenfrei zu besparen, aber auch der Deka DAX ETF oder Eurostoxx50 ETF können ohne Gebühren mit einer monatlichen Sparrate von 50 bis zu 500 Euro bespart werden. Das ist ein gutes Angebot für alle, die ETFs gebührenfrei besparen wollen! Der Sbroker bietet mit mehr als 500 passiven Sparplänen das größte Angebot am Markt. Andere Broker wie ING-DiBa bieten da meiner Meinung nach einen schlechteren und weniger umfassenden Service.

Allerdings wird die Aktion der kostenfreien Besparung von Comstage- und Deka-ETFs nicht als unbefristet kommuniziert – es kann also jederzeit eine Gebühr auch für diese ETF-Sparpläne eingeführt werden. Ein Nachteil ist auch, dass die Sparrate mindestens 50 Euro beträgt – bei anderen Brokern ist auch eine niedrigere Sparrate möglich. Die Rate für den ETF Sparplan wird in einem frei bestimmbaren Intervall entweder vom Sbroker Verrechnungskonto oder vom Referenzkonto abgebucht.

VI. Mein Fazit zu Sbroker: Wer Sicherheit und Zuverlässigkeit sucht, ist hier richtig

Mein Testurteil zum Sbroker fällt gemischt aus. Die Gebühren sind aus meiner Sicht beim Sbroker insgesamt zu hoch und unübersichtlich – sehr günstig und attraktiv sind nur die Sbroker ETF-Sparpläne von Comstage und Deka, die es derzeit kostenlos zu besparen gibt. Wer Sicherheit und Zuverlässigkeit sucht, ist bei diesem Broker gut aufgehoben. Auch, wer einen zuverlässigen Broker für ETF-Sparpläne sucht und z.B. den Deka DAXplus® Maximum Dividend UCITS ETF oder einen DAX ETF gebührenfrei besparen möchte, ist hier sehr gut aufgehoben. Wer häufiger selber mit Aktien, Fonds, ETFs handeln möchte, ist meistens bei der Konkurrenz besser ausgehoben. Das zeigt auch ein direkter Wertpapierdepot-Vergleich, bei dem sich der Sbroker bei den Gebühren schlecht schlägt: