Günstig Geld ins Ausland überweisen

Wer schon einmal längere Zeit im Ausland war, sei es im Langzeiturlaub, zu Geschäftszwecken oder gar als Auswanderer, der kennt das Problem: Auslandsüberweisungen können richtig ins Geld gehen. Wenn 1.000 Euro in ein anderes Land verschickt werden, behält die Bank bis zu 60 Euro. Doch ein Ausweg ist in Sicht. FinTech-Unternehmen wie TransferWise wollen Abhilfe schaffen und bis zu fünfmal billiger sein als herkömmliche Banken. Kann man auf diesem Weg tatsächlich so viel sparen und günstig Geld ins Ausland überweisen? Ich habe die Anbieter für Sie getestet.

von unserem Autor Julian Voth

Als jemand, der einige Jahre in den USA gelebt hat, stand ich häufig vor der Frage: Wie kann ich mir aus Deutschland verlustfrei Geld schicken lassen? Inzwischen gibt es einige Anbieter, die eine kostengünstige Lösung anbieten möchten. Der am besten bewertete Geldtransfer-Service mit 600 Mitarbeitern weltweit, der inzwischen an die 700 Millionen Euro über die Grenzen hinweg bewegt, ist TransferWise.

Wie funktioniert TransferWise?

Das Startup mit Sitz in der britischen Hauptstadt hat sich da etwas Cleveres ausgedacht. Es wird nämlich gar kein Geld in eine andere Währung gewechselt, sondern per Peer-to-Peer-Verfahren getauscht. Im Land des Senders und des Empfängers, so das Prinzip, gibt es genügend Überweisungsaufträge, die gegeneinander verrechnet werden können. Will ich z.B. 100 Euro in die USA schicken, findet TransferWise den Dollarbetrag bei einem anderen Nutzer in Amerika und überweist von dort aus an meine gewünschte Zielperson. Das kann natürlich auch ein Geschäftskonto sein. Der US-Nutzer kann dafür meine Euros an jemanden in Deutschland schicken. Der teure Währungsumtausch fällt weg: Das Geld verlässt nie die Landesgrenzen. Unternehmens-Cofounder Taavet Hinrikus, einer der ersten Mitarbeiter des Peer-to-Peer-Dienstes Skype, nennt TransferWise daher das „Skype für Geldüberweisungen“.

Zielgruppe sind vor allem junge, kosmopolitisch lebende Menschen in westlichen Industrienationen mit eigenem Bankkonto. Hier unterscheidet sich TransferWise zum Branchenriesen WesternUnion, der seinen Fokus vor allem auf Schwellenländer legt. Dort fließen die Geldströme auch hauptsächlich in eine Richtung – und so klappt Peer-to-Peer nicht.

So bewirbt das FinTech selbst das Unternehmensprinzip:

Die Funktionsweise von TransferWise ist denkbar einfach. Geldbetrag eingeben, per Kreditkarte, Sofortüberweisung oder klassischer Banküberweisung bezahlen und sofort günstig Geld ins Ausland überweisen. Wie viele Gebühren anfallen, ist sofort ersichtlich. Fast alle größeren Währungen sind verfügbar, die komplette Liste gibt es hier.

Und da gar keine echte Auslandsüberweisung stattfindet, sondern nur innerhalb eines Landes Geld verschickt wird, geht das auch fast so flott wie eine einfache Überweisung im Inland.

Wichtig: TransferWise richtet sich nach dem echten Wechselkurs, dem sogenannten Devisenmittelkurs. Die Überweisungsaufträge, die meist schon innerhalb weniger Stunden abgewickelt sind, werden zum Mittelwert des aktuellen An- und Verkaufskurses abgerechnet. Hier bieten die Briten deutlich bessere Kondition als das, was Banken leisten, die ihren eigenen Wechselkurs festlegen. Vor Kursschwankungen schützt TransferWise, indem es die Überweisung nicht tätigt, wenn der Kurs nach Auftrag um mehr als 3% gefallen ist. Auch das Setzen eines eigenen Kurslimits ist möglich. Das erlaubt Ihnen, mit aktuellstem Kurs günstig Geld ins Ausland zu überweisen.

Natürlich will der Dienstleister auch selbst Geld verdienen. Aktuell fallen für Euro-Überweisungen bis 400 EUR pauschal 2 Euro an, darüber hinaus verlangt das Startup je nach Land zwischen 0,5 und 2,5% der überwiesenen Summe.

Vorsicht! Bei größeren Beträgen summieren sich die prozentualen Gebühren schnell.



Sicherheit beim Geldtransfer

Beim Geldumgang im Internet sollte immer großer Wert auf die Sicherheit gelegt werden. Der Gelddienstleister macht hier alles richtig. Als von der FCA (dem britischen Äquivalent der deutschen Bankenaufsicht BaFin) autorisiertes Unternehmen unterliegt es den selben Vorschriften wie eine herkömmliche Bank. Alle Überweisungen werden, wie beim Online-Banking Ihrer Hausbank, mit dem Industriestandard der HTTPS-Verschlüsselung geschützt.

TransferWise in der Kritik

Aufgefallen ist TransferWise neben Oben-Ohne-Flashmobs vor allem auch durch aggressive Reklame. Im vergangenen Jahr wurde das Startup sogar für irreführende Werbung verwarnt. Billiger ist TransferWise nämlich oft – aber nicht immer.

Dass TransferWise mit größeren Schwierigkeiten zu kämpft, als es das Marketing vermuten lässt, hat auch schon die Gründerszene festgestellt: Ein angekündigtes Büro in Berlin lässt weiter auf sich warten. So genial die „Skype-Methode“ des Geldtransfers auch sein mag, einen großen Haken hat sie: damit es funktionieren kann, muss der Geldfluss in und aus den Ländern gleich groß sein. Das ist aber auch zwischen wohlhabenden Ländern häufig nicht der Fall. Fehlende Restbeträge muss der Anbieter einkaufen. Wie es also mit TransferWise weiter geht, gerade im Deutschland, bleibt abzuwarten.

Ich schließe mich dem reiseerfahrenen Blogger Thomas K. Running an, der in seinem Artikel Erfahrungen mit TransferWise schildert. Während der Geldversand mit der Peer-to-Peer-Methode in das veraltete, weil immer noch hauptsächlich mit Schecks arbeitende amerikanische Bankensystem ein echter Vorteil sein kann – hier tritt zu überzogenen Gebühren nicht selten auch ein schlechter Kurs dazu –, lohnt innerhalb des gebührenfreien SEPA-Verfahrens im Euro-Raum der Vergleich mit der Hausbank. Gerade bei großen Überweisungsbeträgen können dort die Pauschalgebühren niedriger ausfallen als die anfallenden 0,5-2,5% beim britischen FinTech.


Geldtransfer-Services im Preisvergleich

Im Direktvergleich für mittlere Beträge kann TransferWise gegen den großen Konkurrenten Western Union durchaus punkten. Bei 1.000 Euro in die USA bleiben bei TransferWise 6 Dollar mehr auf dem Konto. Bei MoneyGram wäre es sogar noch teurer. Allein die direkte Inselkonkurrenz Azimo bietet einen fast ebenso guten Kurs.

Hier das Ergebnis für den Geldtransfer von 1.000 Euro zu US-Dollar in Tabellenform. Im Vergleich sieht man direkt, dass man hier günstig Geld ins Ausland überweisen kann:

Betrag Gebühren Wechselkurs Empfangsbetrag Verlust
Devisenmittelkurs* 1000 Euro 1,06888 1.068,88 USD
TransferWise 1000 Euro 4,98 Euro 1,0688 1.063,48 USD 5,4 USD exkl. Geb.
Western Union 1000 Euro 2,90 Euro 1,0570 1.057 USD 11,88 USD exkl. Geb.
MoneyGram 1000 Euro 34 Euro 1,0286 1.028,62 USD 40,26 USD exkl. Geb.
Azimo 1000 Euro 2,99 Euro 1,06068 1.060,68 USD 8,2 USD exkl. Geb.

*17.11.2016 17:00



Die Zahlen scheinen erst einmal klar für das FinTech aus London zu sprechen. Aber auch hier gilt es, Augen und Ohren offen zu halten. Bei größeren Geldbeträgen kann Western Union mit seinem Pauschalbetrag schnell der günstigere Anbieter werden.

Mein Fazit: TransferWise ist unter bestimmten Bedingungen sehr empfehlenswert. Der Geldtransfer-Service bietet ein sicheres und transparentes System, um günstig Geld ins Ausland zu überweisen. Mit TransferWise ist der Versand kleinerer Beträge in Länder außerhalb der Euro-Raums am Ende meist wesentlich billiger als bei teuren Auslandsüberweisungen durch Ihre Hausbank. Wollen Sie allerdings mehr Geld verschicken, lohnt sich auf jeden Fall der Vergleich, sogar mit herkömmlichen Banken oder dem Branchenspezialisten Western Union. Günstiger ist TransferWise nämlich, trotz anders lautender Versprechen, nicht immer.

Gebühren für Geldtransfer mit Transferwise direkt berechnen


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